Finanzpläne bringen Licht in die privaten Finanzen

Veröffentlicht am 14. März 2014

Finanzpläne bringen Licht in die privaten Finanzen

Der private Finanzplan ist das ideale Werkzeug, um zu Beginn des Jahres Kassensturz zu machen und die Struktur des Vermögens zu überprüfen. Bei dieser Inventur kommen, bevor auch nur ein Euro umgedreht wird, alle Finanzverträge auf den Tisch. Das sind nicht nur Aktien, Anleihen, Bargeld, Beteiligungen und Immobilien, sondern auch Arbeitseinkünfte und Pensionen. Die Einkommen sind bei Angestellten die Löhne und Gehälter und bei Selbständigen die Gewinne. Sie werden wegen der Unsicherheit mit einem Satz von 8 bis 10 Prozent abgezinst, so daß die Barwerte wie Aktien behandelt werden. Die Pensionen werden, weil sie sicherer sind, lediglich mit 4 bis 5 Prozent diskontiert, so daß die Beträge mit den Werten festverzinslicher Anleihen vergleichbar sind.

Inventur bei den Privatfinanzen: Soll und Haben

Ähnlich werden - im weitesten Sinne des Wortes - sämtliche Verpflichtungen inventarisiert. Schulden sind nicht nur die Darlehen, die bei Banken, Bausparkassen und Versicherungen bestehen, sondern auch privater Konsum und Versicherungsprämien. Die Kredite der Banken werden mit dem Nominalwert erfaßt und um die Vorfälligkeitsentschädigung erhöht. Beim Privatkonsum und bei den Versicherungen werden die künftigen Ausgaben mit 4 bis 5 Prozent auf die Gegenwart abgezinst und dem Vermögen gegenübergestellt.

Die private Vermögensbilanz, links die Guthaben, rechts die Schulden und das Eigenkapital, liefert dem Anleger die Informationen, wie hoch das Vermögen ist und wie das Gebäude finanziert worden ist. Noch wichtiger als die Privatbilanz ist freilich der Vermögensplan, in dem der künftige Verlauf der Finanzverträge dargestellt wird. Die wichtigsten Eckpunkte dieser Übersicht sind der Gegenwartswert (Barwert) und der Zukunftswert (Endwert) des Vermögens. Sie bieten dem Besitzer drei Erkenntnisse. Erstens weiß er, wie hoch das heutige Nettovermögen ist. Zweitens sieht er, was aus dem Vermögen werden wird, wenn er nichts tut und alles beim alten beläßt. Drittens kann er abschätzen, wie stark sich der Nettoendwert ändern wird, falls er das Vermögen doch umbaut. Gleichzeitig wird die Frage beantwortet, ob sich die ganze Arbeit lohnen wird, ob Risiko und Ertrag in angemessenem Verhältnis zueinander stehen oder nicht.

Die Aufstellung des Vermögensplans ist mit einiger Arbeit verbunden, so daß die meisten Menschen, die im Jahr vielleicht 50.000 oder 10.000 Euro verdienen, über den Aufwand nur den Kopf schütteln. In ihren Augen kommen Vermögenspläne für Leute in Frage, die mehr als 250.000 Euro pro Jahr verdienen oder mehr als 500.000 Euro auf dem Konto haben. Das ist aber nicht richtig. Es ist völlig gleichgültig, ob es um den Einstieg ins Berufsleben, den Aufbau der Altersversorgung oder die Kapitalanlage nach dem Verkauf des Unternehmens geht, und genauso unbedeutend ist die Frage, wie viele Nullen an den Geldbeträgen hängen. In sämtlichen Fällen geht es um die nüchterne Frage, wie die Geldanlagen, Kredite und Versicherungen so miteinander verknüpft werden, daß die Geschichte unter dem Strich eine runde Sache ist.

Die schlichte Erkenntnis, daß die Konzeption in der Regel wichtiger als Kondition ist, hat in vielen Banken in jüngster Zeit zu erstaunlichen Veränderungen geführt. Die Kreditinstitute haben viel Geld in die ganzheitliche Vermögensplanung gesteckt, weil sie die Hoffnung hegen, auf diese Weise ihr Image als parteiliche Produktverkäufer abstreifen zu können. Im Mittelpunkt stehen, so lautet der neue Vorsatz, nicht mehr Produkte, sondern Konzepte und Strategien, wie Vermögensfragen "ganzheitlich" gelöst werden können. Von diesem Bazillus sind aber nicht nur Banken und Versicherungen, sondern auch Finanzberater und Vermittler aller Schattierungen befallen, weil sie hoffen, damit mehr Erfolg zu haben.

Trotz der lobenswerten Vorsätze ist die ganzheitliche Finanzplanung eine heikle Angelegenheit. Sie ist auf der einen Seite bittere Notwendigkeit, weil nur die umfassende Vermögensplanung, die Berücksichtigung aller Finanzverträge, zu brauchbaren Entscheidungen führt. Doch der Blick hinter die Kulissen zeigt, daß die Dienstleistung in der Regel neuer Wein in alten Schläuchen ist. Geändert hat sich letztendlich nur die Verpackung. Jeder Anbieter gibt dem Kind einen wohlklingenden Namen. Besonders beliebt sind Anglizismen wie Financial Planning, Private Banking oder Wealth Management. Genauso wird aus vielen Dienstleistungen, die eher von schlichter Natur sind, irgendeine Form von Management. Da ist von Vermögensmanagement die Rede, weil sich das besser als Vermögensverwaltung anhört, und andere Berater bieten Risk Management an, weil sie auf diese Weise das "häßliche" Wort von der Versicherung nicht mehr verwenden müssen.

Der Umgang mit schönen Begriffen und Titeln hat in Deutschland lange Tradition. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß es zu allen Zeiten um den Absatz irgendwelcher Finanzprodukte ging, und daran hat sich bis heute wenig geändert. Jetzt tragen die Verkäufer englische Namen wie Financial Consultant, Master of Financial Consulting, Financial Advisor, Financial Planner, Certified Financial Planner, doch auf die nüchterne Frage, wovon die Menschen leben, bleiben diese "Angelsachsen" viele Antworten schuldig. Dabei ist die Sache ganz einfach.

Die private Finanzplanung ist, so wie sie zur Zeit in Deutschland angeboten wird, in der Regel eine Mischung aus Beratung und Vermittlung. Die Finanzplaner liefern gegen geringe Honorare "neutrale Vermögenspläne" und kommen erst durch die Vermittlung provisionsträchtiger Verträge auf ihre Kosten. Die gemischte Vergütung ist aber, um es dezent auszudrücken, fragwürdiger Etikettenschwindel, weil die meisten Privatleute das Spiel nicht durchschauen und in dem Glauben leben, von einem neutralen Experten beraten zu werden. Damit wird deutlich, daß die private Finanzplanung eine zweischneidige Sache ist. Die ganzheitliche Vermögensplanung ist von der Sache her, um das noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, die Voraussetzung für Klarheit und Ordnung im Privatvermögen. Doch die Anleger begeben sich in große Gefahr, wenn sie an Verkäufer geraten, die ihr eigenes Wohl verfolgen und Produkte verkaufen, die dem Kunden nichts nützen.

Rat provisions-unabhängiger Fachleute ist wichtig

In dieser Situation bleibt gesunder Menschenverstand die beste Lösung des Problems. Wer sich für die private Finanzplanung interessiert, sollte mit unabhängigen Fachleuten wie zum Beispiel mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern zusammenarbeiten, die von Natur aus auf Honorarbasis tätig sind und keine Provisionen für Vermittlungen einstecken. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Berater sind neutral. Sie kümmern sich um das gesamte Vermögen ihrer Mandanten. Außerdem berücksichtigen sie die Steuern des Auftraggebers. Die größten Vorteile sind die strikte Neutralität und die völlige Unabhängigkeit. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer haben kein Interesse, irgendwelche Produkte zu verkaufen. Dafür müssen die Anleger allerdings bereit sein, entsprechendes Honorar zu bezahlen. Die Vergütung guter Berater beträgt zwischen 250 und 500 Euro pro Stunde, und die laufende Betreuung kann, wenn es viel zu tun gibt, schnell in die Tausende gehen. Das ist auf den ersten Blick viel Geld, doch bei näherem Hinsehen ist das Geld gut angelegt, weil die Fachleute das gewünschte Licht ins Dunkel bringen: Sie erstellen Bilanzen und Gewinnrechnungen, und sie zeigen den Anlegern die Auswirkungen neuer Investitionen auf das bestehende Vermögen, so daß solide Entscheidungen getroffen werden können.

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Autor des Artikels:

Joachim B. Auster

Joachim B. Auster

Der Autor ist sehr bekannt. was sollte der Leser unbedingt über ihn wissen?
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